Merengue

Der Merengue (span.: Meringe, Baiser) stammt aus der Dominikanischen Republik. Warum die Süßspeise der Musik und dem Tanz den Namen gab, ist nicht bekannt. Allerdings könnte er darauf zurückzuführen sein, dass Zucker einer der Hauptexportartikel der Kolonialinsel Hispaniola war.

 

Merengue wird als Paartanz getanzt. Die Füße werden abwechselnd zu jedem Taktschlag nach vorne, hinten oder zur Seite getanzt. Charakteristisch für den Tanzstil ist eine markante Hüftbewegung, welche bei jedem Schritt gemacht wird. Traditionell wird der Merengue von Dominikanern sehr eng getanzt, eine offene Tanzhaltung ist eher die Ausnahme. Jedoch gibt es mittlerweile auch viele aufwändige Figuren und Kombinationen („Wickelfiguren"), wobei die Arme eine wichtige Rolle einnehmen.

 

Der Ursprung des Tanzes ist unklar. Wahrscheinlich entwickelte er sich aus einem Tanz aus Havanna, der „Urpa" oder „Upa Habanera" genannt wurde und 1938-49  über Puerto Rico nach Santo Domingo gelangte. Dieser Tanzt hatte einen Satz, der „Merengue" genannt wurde. Genaueres lässt sich leider nicht sagen.

 

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Merengue nur von der Landbevölkerung getanzt und von den Städten nicht beachtet. Unter der Ära von Rafael Trujillo, dem dominikanischen Diktator, änderte sich dies plötzlich, da er den Merengue in den 1930er Jahren als Propagandamittel nutzte und somit die Verbreitung der Musik förderte. Da ihm die Musik anfangs nicht zu „europäisch" genug war, sollten die Komponisten mehr Orchesterinstrumente verwenden und auf seine Anweisungen hin wurde die Musik in staatlichen Radioprogrammen gespielt. Neben prachtvollen Bällen, die er selbst als Tänzer eröffnete, organisierte er verschiedene Merengue-Festivals, besonders in Santo Domingo. Von da an entwickelte sich der Merengue auch nach Trujillos Tod zum nationalen Kulturgut, mit dem sich bis heute alle Dominikaner identifizieren.

 

Die Musik wird im Zwei-Viertel-Takt gespielt, wobei jeder Taktschlag durch einen Trommelschlag deutlich betont wird. Ursprünglich wurden Tamboras und Güiras verwendet, im 20. Jahrhundert kam dann das Akkordeon hinzu. Die traditionellen Merengue-Combos bestanden nur aus zwei bis vier Musikanten, später jedoch wurden in den Städten auch Piano, Bass, Blechbläser und Saxophone dazu genommen. Neuerdings vermischt sich der Merengue sogar mit Hip Hop und House-Elementen, die auf Synthesizern gespielt werden.

 

Bis heute ist zumindest zum Teil die traditionelle Dreiteilung der Merengue-Lieder erhalten geblieben. Während es früher eine Einleitung, einen Hauptteil und ein Crescendo gab, so findet sich heute neben Strophe und Refrain oft ebenfalls eine Einleitungsphase, die häufig aus einem langsamen, getragenen Rhythmus besteht. Der Refrain wird häufig mehrmals hintereinander wiederholt. Meistens sind Merengues Liebeslieder, wobei die Texte von Frauen, Sehnsucht, enttäuschter Liebe usw. handeln, aber es wird auch von anderen alltäglichen Themen, teilweise sogar sozialkritisch gesungen.